Der Steinaltar

Der Steinaltar


In den finstren Waldesgründen
hoch auf steiler Felsenwand,
wo die Adler Krieg verkünden
liegt in Asche tot das Land.

In den glühnden Funkenwehen
sinkt die Nacht zur Totenruh
und der Wind klingt wie ein Flehen,
deckt mit heisrer Stimm sie zu.

Legt er sich, so fließt die Stille
wie ein Geist aus Nebelgrau
um die säuselnde Sibylle
und das Moor im Morgentau.

Dort in finstern Waldesgründen
steht ein steinerner Altar
über moosbewachsnen Sünden
reicht er neue Hoffnung dar.

Zitternd schwingen wild die Bäume
blätterrauschend mit dem Wind,
aus den Wurzeln steigen Träume,
die schon lang vergessen sind.

Unterm Mondlicht, an der Eiche
lehnt erschlafft ein Rittersmann.
Halb noch Mensch und halb schon Leiche
liegt er in des Blutmals Bann.

In die Nebel klappern weiter
Hufe fort zum Feindesland
und manch grauer Nebelreiter
hebt zum letzten Gruß die Hand.

Denn der Ritter ward verlassen
wie er dort am Baume lag,
einsam sollt sein Herz verblassen
wie der Mond am hellen Tag.

In des Helmes tiefen Schlitzen
hätte man die Furcht entdeckt,
dunkles Blut strömt durch die Ritzen
wo des Mörders Schwert noch steckt.

Und von fernen heilgen Landen
überflutet Licht die Nacht.
"Hört, der Herr ist auferstanden!
Hört, die Welt ist neu erwacht!"

Seligkeit durchfließt die Schmerzen
als die Welt in Flammen steht,
Denn der Ritter hat im Herzen
Gnade für den Feind erfleht.

Er erhebt sich ohne Kräfte
dort im finstern Schattenwald
und er spürt die Lebenssäfte,
sie versiegen ihm schon bald.

Dort in finstern Waldesgründen
sucht er Trost am Steinaltar,
hofft Vergebung seiner Sünden,
reichet Schwert und Rüstung dar.

Noch im letzten Aufbegehren
wirft das Schwert er von sich fort,
bis die Qualen ihn verzehren
an dem heilgen Gottesort.

Auf dem Grunde ruhn jetzt Schatten,
durchs Geäst dringt Sonnenschein
und in Frieden ruhn die Matten
vor des dunklen Waldes Schrein.

Nur in manchen Nebelnächten
hört man Rosse und Geschrei
wie von ungeheuren Mächten
ziehn sie an dem Wald vorbei.

Glitzernd unterm Morgensterne
liegt vorm Steinaltar ein Schwert,
schwindet bald wenn aus der Ferne
erstes Licht die Welt verklärt.

(c) by Toby (Admin von Dichterboard.de.vu)




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